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Kambodscha: Volkstribunal stellt fest, Existenzlohn ist ein Menschenrecht PDF Drucken E-Mail
Dienstag, den 21. Februar 2012 um 13:03 Uhr

Kambodschanische Textilarbeiterinnen in die Armut gedrängt

Phnom Penh - Die Jury des Volkstribunals zu Existenzlohn und Arbeitsbedingungen in Kleiderfabriken verkündete in Phnom Penh ihre Anhörungsergebnisse und befand, dass kambodschanische TextilarbeiterInnen systematisch in die Armut gedrängt werden. Die Jury mit Mitgliedern aus drei Kontinenten fordert, dass die Akteure der internationalen Textilindustrie sofort Maßnahmen ergreifen, um die Löhne in Kleiderfabriken auf ein existenzsicherndes Niveau anzuheben. Darüber hinaus empfehlen sie, dass Markenfirmen nicht nur gute Absichten verkünden sollten, sondern bei ihren Arbeitsbedingungen und in ihrer Preisund Einkaufspolitik systematisch die Menschenrechte anerkennen und ihnen Vorrang einräumen müssten.

Die Jury hat während einer zweitägigen Anhörung Fakten gesammelt. Über 200 ArbeiterInnen aus Kleiderfabriken nahmen an der Anhörung teil und unterstrichen, wie dringend nötig der Lohnzuwachs in Kleiderfabriken ist. Es gab Zeugenaussagen zu Themen wie Mangelernährung, Schuldenfalle, befristete Verträge zur Umgehung von Sozialleistungen, Massenohnmachtsanfälle und die Entlassungen von rund 1000 Gewerkschaftsführern nach einem branchenweiten Streik im September 2010.

Von Juni 2010 bis Januar 2012 sind in Kambodscha über 2400 ArbeiterInnen kollabiert. Die Massenohnmachtsanfälle werden eindeutig mit der gravierenden Mangelernährung in Zusammenhang gebracht. Einer Textilarbeiterin steht pro Tag durchschnittlich 1 US-$ für Nahrungsmittel zur Verfügung. Damit kann sie sich etwas Reis und eine Suppe kaufen und kommt pro Tag auf ca. 1500 Kalorien, die sie zu sich nehmen kann – viel zu wenig, um den harten Fabrikalltag unbeschadet zu überstehen.

Einer der als Zeugen anwesenden Experten wies darauf hin, dass die kambodschanischen TextilarbeiterInnen in den letzten 12 Jahren einen Reallohnverlust von über 14% hinnehmen mussten. Im Finanzkrisenjahr 2008 betrug die kambodschanische Inflation vernichtende 25%. Der schon vorher viel zu tiefe Lohn fiel ins Bodenlose und verliert seither mit einer durchschnittlichen Inflation von 4- 6% weiterhin rapide an Wert. Die Jury stellte fest: „Nur die Zahlung von existenzsichernden Löhnen und die Herstellung fairer Arbeitsbedingungen bieten eine Grundlage für ein menschenwürdiges Leben. Wir sind deshalb der Meinung, dass es ein Recht auf einen Existenzlohn und verbesserte Arbeitsbedingungen in Fabriken in Kambodscha gibt“. Zur Rolle der großen Markenunternehmen sagte die Jury: „Die großen Käufer oder ‚Marken‘ verfügen über die Macht und nutzen die wirtschaftlichen Vorteile. Es braucht daher einen Mechanismus, um die Markenfirmen zur Rechenschaft zu ziehen und sicherzustellen, dass sie einen Existenzlohn bezahlen und faire Arbeitsbedingungen bieten.“

Die multinationalen Markenfirmen Adidas und Puma sagten im Volkstribunal als Abnehmer riesiger Warenmengen aus Kambodscha aus. Sie sind Teil einer Initiative mehrerer Markenhersteller und wollen mit Hilfe von Recherchen und Umfragen nun untersuchen, wie ein „gerechter Lohn“ definiert werden könnte. Dabei beziehen sie einen „existenzsichernden Lohn“ als eine mögliche Option ein. Die OrganisatorInnen des Bündnisses für einen asiatischen Existenzlohn (AFW) drückten ihre Besorgnis aus, dass es bisher an konkreten und verbindlichen Aktionen von Markenfirmen für die Erhöhung der Löhne in den Fabriken fehle. Quelle: Kampagne für Saubere Kleidung