|
Laos will sich öffnen und läuft Gefahr, von den rohstoffhungrigen Nachbarn China, Thailand und Vietnam vereinnahmt zu werden.
Deutschland hofft, dass das Land Ausgleich im Westen sucht.
Vientiane - Bauer Keongeun aus dem Dorf Ban Mai in der laotischen Provinz Luang Namtha ist hier einer der ersten, der sein Land genau vermessen und dann registrieren lässt. Per GPS-System stellt der deutsche Entwicklungsminister Dirk Niebel fest, dass Keongeun künftig genau 7992,8 Quadratmeter Land zum Anbau von Reis und Gemüse «gehören», das heißt, Keongeun kann es zwar nutzen, es gehört aber weiterhin dem kommunistisch orientierten Staat.
Mit deutscher Hilfe werden in Laos, einem der ärmsten Länder der Welt, Grund und Boden systematisch registriert und in einem Kataster festgehalten. In Fünf-Jahres-Plan von 2011 bis 2015 sollen eine Million Landtitel vergeben werden. Der Staat erhofft so deutlich mehr Einnahmen durch Konzessionsvergaben, Steuern und produktivere Nutzung.
Parallel zum Katasteraufbau unterstützt Deutschland eine landesweite Inventur der Landkonzessionen. Dabei stellte sich heraus, dass fünf Millionen Hektar als langfristige Konzessionen überwiegend an ausländische Investoren vergeben wurden. Das entspricht 20 Prozent der Fläche des Landes. Vor allem die wirtschaftlich starken Nachbarn China, Thailand und Vietnam sind an der Landnutzung im armen Laos interessiert.
Sonderliche Rücksicht auf die laotische Landbevölkerung wird dabei nicht genommen. Am günstigsten für den Bauern kann es noch laufen, wenn es nach der sogenannten 3+2-Regel geht. Dabei stellen Bauern Land und Arbeitskraft und Agrounternehmen Saatgut, Know-how sowie Absatzkanäle. Keongeun hat übrigens, so hieß es am Rande des Besuchs des deutschen Ministers, seine zweite Jahresernte, Melonen, schon vor der Ausbringung an einen chinesischen Investor verkauft.
Doch insbesondere Chinesen und Vietnamesen wollen ihre in aller Regel besser ausgebildeten Fachleute zur Bewirtschaftung mitbringen. Die kaum ausgebildete laotische Landbevölkerung würde leer ausgehen. Die Regierung in Vientiane hat das Problem inzwischen erkannt und lässt nur breiteimal zehn Prozent ausländische Arbeitskräfte zu. Diese besetzen dann aber die Führungspositionen.
Laos will bis 2020 aus dem Armenhaus der Welt heraus. Es öffnet sich - fast überstürzt - regionalen und internationalen Märkten. Außer Land hat es Bodenschätze und Energie zu bieten. Die Nachbarn nutzen auch hier die Chancen recht rücksichtslos. Erleichtert wird ihnen der Zugriff durch fehlende Koordination in der laotischen Verwaltung. «Investitionen werden selten nach Nachhaltigkeitsgesichtspunkten geplant und durchgeführt», klagt die staatliche deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).
Wie verankert Chinesen und Thailänder in Laos sind, konnte Niebel bei der Besichtigung des Waldschutzgebietes Nam Ha in der Provinz Luang Namtha erkennen. Niebel fuhr ein Stück weit über die wohl best ausgebaute Straße des Landes, von Kunming in China nach Chiang Rai in Thailand. Sie verläuft 225 Kilometer durch Laos und wurde selbstverständlich von den beiden reichen Nachbarn gebaut.
Im Schutzgebiet dann muss Niebel feststellen, dass es zu Brandrodung gekommen ist - wohl mit der Absicht, den lukrativen Kautschuk anzubauen. Im Schutzgebiet ist ein solches Vorgehen natürlich fraglich. Doch grundsätzlich könnte Laos von der Kautschuk-Produktion - als echter Alternative zum Opiumanbau - profitieren. 40 000 Hektar Plantagen gibt es. Aber 80 Prozent davon sind den Angaben zufolge in chinesischer und - in deutlich geringerem Maße - auch in thailändischer, vietnamesischer und japanischer Hand.
Angesichts dieser Rigorosität kommt das vor kurzem im Kabinett verabschiedete neue außen- und sicherheitspolitische Konzept der Bundesregierung etwas naiv daher. Sie macht den «neuen Gestaltungsmächten» wie China oder Thailand ein «Dialog- und Kooperationsangebot ... für die gemeinsame, partnerschaftliche und gleichberechtigte Arbeit an einer fairen Globalisierung». Das Angebot könnte diese Mächte aber möglicherweise gar nicht interessieren.
Niebel setzt darauf, dass Staaten wie Laos oder Birma zum Ausgleich zu den dominanten Anrainern eine Annäherung an den Westen suchen. Er zitiert den laotischen Investitionsminister Somdy Douangdy mit den Worten: «Laos will nicht mehr alle Eier in einen Korb legen.» |