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Thailand nimmt mit pompöser Einäscherungszeremonie Abschied von König Bhumibol

Bangkok (AFP) - Ein fünfzig Meter hoher, goldener Scheiterhaufen mit rund

fünfhundert ineinander verschlungenen Skulpturen - beim letzten Geleit für Thailands verstorbenen König Bhumibol Adulyadej werden keine Kosten und Mühen gescheut. Nach einjähriger Vorbereitungszeit beginnt am Donnerstag ein fünftägiges Spektakel rund um die Einäscherung des äußerst populären Regenten. Umgerechnet rund 77 Millionen Euro soll die Zeremonie für den "Vater der Nation" kosten, der vergangenes Jahr mit 88 Jahren gestorben war.

 

WO FINDET DIE EINDSCHERUNG STATT?

Für die Zeremonie wurde im historischen Zentrum von Bangkok ein 50 Meter hoher Scheiterhaufen errichtet. Er symbolisiert Berg Meru, das symbolische Zentrum des buddhistischen, hinduistischen und jainistischen Universums. Umringt wird der Turm von acht symmetrisch angeordneten kleineren Bauten, die für die Berglandschaft um den Meru stehen und womöglich auf Bhumibols Rolle als neunter Monarch (Rama IX.) der Chakri-Dynastie anspielen.

Die goldene Konstruktion zieren mehr als 500 Tiere, Gottheiten und andere Kreaturen aus der hinduistischen und buddhistischen Mythologie. Die zwei geliebten Hunde von Bhumibol sind ebenfalls abgebildet. Auch zahlreiche Anspielungen auf das soziale und wohltätige Engagement des Königs sind enthalten.

Fast ein Jahr lang nahmen Planung und Aufbau in Anspruch. Bhumibols Leichnam wurde in der Zwischenzeit im Königspalast aufbewahrt. Sein Sarg sowie die symbolische königliche Urne sollen auf einem goldenen Wagen über eine Rampe auf den Scheiterhaufen gebracht werden.

WIE WIRD DIE ZEREMONIE ABLAUFEN?

Auch wenn unzählige Thailänder seit dem Tod ihres Monarchen Trauer tragen, soll es bei der Einäscherungszeremonie auch Musik und traditionelle Tänze geben. Die fünftägige Zeremonie beginnt mit einem buddhistischen Ritual, das von Bhumibols Sohn und Thronfolger Maha Vajiralongkorn, auch bekannt als Rama X., geleitet wird.

Am nächsten Tag geben Sargträger in traditionellen Gewändern in Begleitung von Trommlern und Soldaten der königlichen Urne das letzte Geleit. Von anwesenden Thailändern wird erwartet, sich zu verneigen oder sogar auf den Boden zu werfen.

Am Abend legen der König und andere Monarchen Blumen an dem Scheiterhaufen nieder. Die eigentliche Einäscherung findet am Donnerstagabend um 22.00 Uhr (Ortszeit, 17.00 Uhr MESZ) statt, entzündet wird das Feuer von König Rama X.

In den folgenden drei Tagen werden die königlichen Reliquien aus der Asche entnommen und zum Andenken in zwei Tempel überführt. Die restliche Asche wird in den Palast gebracht.

WER NIMMT AN DER ZEREMONIE TEIL?

Neben König Rama X. wird dessen Schwester Prinzessin Maha Chakri Sirindhorn die Prozession anführen. Wegen ihres seit Jahren schlechten Gesundheitszustandes ist die Rolle von Bhumibols Witwe Königin Sirikit unklar.

Außer führenden Persönlichkeiten aus Thailands Militärjunta werden auch Monarchen und Würdenträger aus mehr als 40 Ländern erwartet, darunter der britische Prinz Andrew, der japanische Thronfolger Prinz Akishino, die niederländische Königin Maxima und US-Verteidigungsminister James Mattis. Es wird mit mindestens 250.000 Thailändern auf Bangkoks Straßen gerechnet.

Für die Teilnehmer der Zeremonie gelten strenge Verhaltensregeln. Unter anderem ist es verboten, den König direkt zu fotografieren. Männliche Journalisten sind angehalten, sich zu rasieren.

GIBT ES EINSCHRDNKUNGEN F\R TOURISTEN?

Große Teile von Bangkoks historischem Zentrum werden während der Zeremonie zum Stillstand kommen. Rund um den Palast werden Stra_ensperren errichtet, die Anreise mit vffentlichen Verkehrsmitteln ist aber mvglich. Im Gegensatz zu den Einheimischen wird von Touristen generell nicht erwartet, schwarz zu tragen.

Dennoch werden Besucher dazu aufgerufen, sich "respektvoll" zu kleiden und auch so zu verhalten.

Um das Nachtleben soll es während der Feierlichkeiten ebenfalls etwas ruhiger werden. Viele Banken und Geschäfte werden am Donnerstag geschlossen bleiben. Die Verkehrsbeeinträchtigungen sollen bis zum 27. Oktober vollständig aufgehoben sein.